MBSR - Entschleunigung des Lebens

Meine Freizeit steht aktuell im Fokus der Aus- und Weiterbildung,was dazu f�hrte, dass ich letzte Woche, mit 20 anderen Teilnehmern, an dem Seminar�MBSR Ein�bung intensiv am Odenwald Institut teilnahm.

MBSR ist daf�r da, sich selbst besser wahrzunehmen, kennenzulernen und zu lernen nach den eigenen Bed�rfnissen zu handeln. W�hrend man in Schulzeiten dazu aufgefordert wurde nur in den Pausen auf die Toilette zu gehen, sollte man hier auf sich selbst h�ren und sich die Freir�ume nehmen die man brauchte. Wenn man auf Toilette musste, sollte man gehen, war die Sitzhaltung f�r die Meditation nicht angenehm, sollte man sie wechseln, war man durstig, sollte man trinken.

Beginn war Montags, p�nktlich um halb elf, mit einer Einf�hrung zum Kurs und der Kl�rung der notwendigen, organisatorischen Fragen. Die Teilnehmer der Gruppe waren bunt gemischt was Alter, Geschlecht und Berufe anging. Jeder einzelne brachte unterschiedliche Geschichten und Hintergr�nde mit zu dem Seminar, was es abwechslungsreicher und spannender machte.

�ber insgesamt f�nf Tage besch�ftigten wir uns alle intensiv mit uns selbst. Fernab eines hektischen Alltags - in Ruhe und Achtsamkeit.

Die Unterkunft lag nahe der Spitze des "Berges", was mit ca. 560m �ber NN, aber nicht ganz so hoch war. Die Gegend war eher abgelegen und angenehm ruhig. Einen Steinwurf vom Haus entfernt begann ein Mischwald mit vielen, einladenden Wanderwegen und Mountainbike-Strecken.�Doch zum Wandern blieb nur in der Mittagspause ein wenig Zeit, da wir �blicherweise von 7:30 Uhr bis 21:00 Uhr Abends immer wieder Sitzungen mit wechselndem Programm hatten.

Neben leichtem Yoga, f�hrten wir verschiedene gef�hrte Meditationen durch. Diese bestanden aus Berg-, See-, Geh- und Sitzmeditation. T�glicher Bestandteil des MBSR-Kurses war der Bodyscan, bei dem man die�Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Partien seines K�rpers�richten sollte. Da diese �bung sehr entspannend sein kann, fielen einige der Kursteilnehmer dem Schlaf zum Opfer, mich eingeschlossen. So bot es sich durchaus an, diese �bung im Sitzen oder Stehen auszuf�hren!

Neben diesen �bungen erforschten wir auch unsere tiefsten W�nsche und Gedanken, was teilweise sehr befremdlich auf mich wirkte. Man setzte sich jedes mal mit einer anderen Person zusammen und bekam eine Frage, die man sich gegenseitig stellen musste. Eine Person begann die Frage zu stellen, die Partnerin oder der Partner beantworteten die Frage, man bedankte sich f�r die Antwort und stellte die gleiche Frage erneut. Nach sieben Minuten wechselte man die Rollen. W�hrend dieser Frage-Antwort-Runden sah man sich nicht an und gab auch kein Feedback auf die Antworten, die man bekam. Man bedankte sich f�r die Antwort und das war es. Zum Schluss erhielten die Partner noch ein wenig Zeit um sich gegen�ber zu setzen und aktiv �ber das Thema zu sprechen.

Das st�ndige Wiederholen der Frage f�hrte zu einer gewissen Tiefe zum Thema, half aber auch dabei sich selbst besser kennen zu lernen.

An den f�nf Tagen stellten wir uns den folgenden Fragen:

Wo erlebst Du in Deinem Leben Stress, Enge und Festgefahrensein?
Was tust Du, um Dich zu bet�uben?
Wonach sehnt sich Dein Herz?
Wof�r bist Du in Deinem Leben dankbar?
Was unterst�tzt Dich, um im Alltag die Praxis der Achtsamkeit aufrecht zu erhalten?

Neben dem Beantworten von Fragen, gab es auch eine 36 st�ndige Schweigephase, bei der man nicht nur das �u�ere, sondern auch das innere Schweigen �ben sollte. Das �u�ere Schweigen habe ich zwar gelegentlich nicht eingehalten, um mich mit den Hausfrauen zur special veganen Ern�hrung zu verst�ndigen, fand es aber insgesamt nicht wirklich schlimm, sondern eher angenehm nicht reden zu m�ssen. Das innere Schweigen war hingegen eine wahre und unm�gliche Herausforderung f�r mich. Eigentlich war es nie still in meinem Kopf und mein Verstand formte st�ndig irgendwelche Szenarien, was aber auch recht witzig war und ich deswegen eher mit einem Grinsen beim Essen sa�, anstatt nachdenklich oder Tr�bsal blasend. Vielleicht lag dies aber auch nur daran, dass ich mich nicht zu 100% auf die Regeln eingelassen hatte und eben nicht, wie angewiesen, den Augenkontakt zu den anderen gemieden und genug Raum f�r zwischenmenschliche Kommunikation gelassen habe.

Das Schweigen war am Donnerstag auch schon wieder vorbei und ich hatte das Gef�hl, dass die Teilnehmer die Kommunikation miteinander viel mehr genie�en konnten als vorher. So gab es durchaus anregende und anhaltende Gespr�che beim Mittagessen.

Freitag war der letzte Tag und es gab noch einen Erfahrungsaustausch zwischen allen Teilnehmern. Die Stimmung war unterschiedlich, zwischen Dankbarkeit und Traurigkeit. F�r mich war es eine Mischung aus vielen Gef�hlen. Einerseits lie� ich mich von der Traurigkeit einiger anstecken, f�hlte mich auch sehr erholt und freute mich wieder nach Hause fahren zu d�rfen. Wir verabschiedeten uns alle nach einem gemeinsamen Mittagessen und gingen nach und nach wieder unserer eigenen Wege.

Zuhause angekommen, schwang die Erholung noch in mir nach und ich versp�rte weder Lust auf Fernsehen, noch auf YouTube geschweige denn irgendeiner Form von Kommunikation. So langsam ist dieses Gef�hl wieder verflogen, aber ich werde einige Erinnerungen an diese Zeit behalten und zuk�nftig auch im Alltag mehr auf meine Bed�rfnisse und weniger Stress achten.

Auf jeden Fall war es eine sch�ne Erfahrung, die ich gerne wiederholen werde!

Previous Post Next Post