Schweigeseminar - Teil 3 - Geschichtenerz�hler

Obwohl die Probleme des Vortages immer noch die gleichen waren, f�hlte ich mich deutlich entspannter und konnte mich gut auf die einzelnen Sessions einlassen.

Das Wetter war herrlich und wir praktizierten die Gehmeditation sogar im Garten. Mit langsamen oder schnellen Schritten �berquerten wir das Grundst�ck, umgeben von Blumen, B�umen und einer sch�nen Wiese auf der das Leben, in Form der verschiedenen Pflanzen und Insekten, nur so pulsierte. Aber darum ging es nicht! Es ging darum beim Gehen zu sein, sich zu konzentrieren und versuchen bei dem zu bleiben, was man gerade macht - Schritt, f�r Schritt mit der Aufmerksamkeit in den F��en zu bleiben.

Wie setzen wir mit den F��en auf?�Ist der Boden hart, oder weich?�Wie balancieren unsere Muskeln die feinen Unebenheiten des Untergrunds aus? Und vieles mehr! Es ist erstaunlich wie viele Details wir selbst bei so einfachen Sachen nicht mitbekommen und wie automatisch diese in unserem Alltag passieren.

Die Mittagspause wollte ich f�r einen kleinen Spaziergang nutzen, im Schweigen, und versuchen meine Achtsamkeit zu behalten. Die klappt nat�rlich nicht immer, weil st�ndig irgendwelche Ablenkungen vorhanden sind, aber selbst wenn ich mal nach Innen gekehrt war, tobten meine Gedanken. Am auff�lligsten empfand ich ein st�ndiges Bewerten und Vergleichen zu allem und jedem. Selbst normale Bl�tter wurden nicht verschont und die Kr�ftigkeit des Gr�ns, oder die Form des Blattes, bekamen pl�tzlich eine existentielle Bedeutung. Ich glaube der Grund, warum ich keine Sorge habe an einem Schweigeseminar teilzunehmen ist der, dass ich wei�, dass es nie wirklich still ist. Der Spaziergang durch den Wald best�tigte mir dies.

Sp�ter, auf dem R�ckweg, lief ich mit dem Gesicht durch einen Spinnenfaden, der sich von der einen Seite des Weges zur anderen spannte. Fast zeitgleich formte sich in meinem Kopf eine Geschichte, wie die Spinne wieder und wieder den Faden sponn, weil immer und immer wieder irgendwelche Menschen durch ihn hindurch liefen und dabei kaputt machten. Dabei fragte ich mich, wie oft sie wohl versuchen w�rde ihr Werk zu vollenden, bevor sie dann doch irgendwann aufgab!?

Kurz darauf kam ich f�r mich zu einer Erkenntnis: Wir sind alle Geschichtenerz�hler!

Die Mehrheit der Menschen wird vermutlich, wie ich auch, irgendwelche Szenarien im Kopf durchgehen, dabei m�gliche Situationen durchspielen, eventuell sogar katastrophisieren und sich die schlimmsten Szenarien ausmalen. Das Gespr�ch mit dem Chef, das Begr��en eines alten Freundes, die Planung f�r die n�chste Party, vielleicht auch nur das erstellen der Einkaufsliste f�r die n�chste Woche.

Ohne uns wirklich dar�ber bewusst zu sein, sind wir unheimlich kreativ, allerdings auch so nah an der Realit�t, dass es nicht phantastisch genug ist, um als kreativer Prozess verstanden zu werden. Aber ich denke wir sind alle kreativ! Falls du mal denken solltest du seist es nicht, sind bis zu diesem Eindruck garantiert schon viele, kreative Prozesse durchlaufen worden. Also: Nur Mut! Trau dich und �berdenke vielleicht noch mal deine Meinung �ber deine eigenen F�higkeiten!

Der Rest des Tages war relativ entspannend und ereignislos. Mein Problem mit dem Essen hatte ich angesprochen, eigentlich nur aus Prinzip, und ich hatte sogar das Gef�hl, dass man sich dieses Mal mehr M�he gab mich zu versorgen.

Ab 21 Uhr ging es dann wieder ins Bett und ich besch�ftigte mich viel zu fr�h damit, welches Fazit ich am Ende des Kurses wohl f�r mich ziehen w�rde und was ich wohl vor den anderen Teilnehmern erz�hlen w�rde. Das �bliche Geschichten erz�hlen ...

Fortsetzung

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