Schweigeseminar - Teil 5 - Abfahrt

Inzwischen ist genau ein Monat nach Abreise vergangen und die wirklichen Details wei� ich gar nicht mehr. Wie die Tage zuvor, begann auch der Freitag mit Meditation und Yoga, gefolgt von einem Fr�hst�ck, bestehend aus Brot und Banane. Was denn auch sonst?

Dann hie� es schnell das Gep�ck aus dem Zimmer holen, einen Teil davon ins Auto zu packen und den Schl�ssel an der Rezeption abzugeben.

Um 9 Uhr begannen die letzten beiden Sitzungen, wovon ein gro�er Teil auch aus einem allgemeinen Erfahrungsaustausch bestand. Jeder sollte in ca. drei S�tzen erz�hlen, was er aus diesem Kurs mitgenommen hat. Die Erfahrungen waren unterschiedliche von "Ich m�chte jetzt nichts dazu sagen" bis zu etwas der Art "jeder Moment ist verg�nglich und kostbar, deshalb sollte man ihn mehr wertsch�tzen". Nicht wortw�rtlich, aber sinngem��.

Interessant fand ich eine Diskussion �ber das Verhalten im Alltag, wo sich jemand selbst als sensibles Reh bezeichnete, welches auf der Arbeit von vielen L�wen umgeben ist. Dazu ist mir der Kommentar einer K�nstlerin h�ngen geblieben, die etwas in die Richtung sagte: "Indem man sich selbst als sensibles Lamm sieht, erhebt man sich bereits �ber die anderen und h�lt sich f�r etwas besseres". Wie zutreffend! Wie oft sieht man sich selbst als das unschuldige Opfer, hat aber bei der Entstehung von Problemen ebenfalls seinen Teil dazu beigetragen und ist noch lange nicht "perfekt"? W�hrend ich dies schreibe, schiebt sich mir ein Satz ins Ged�chtnis, den ich w�hrend eines Vortrages in einem buddhistischen Zentrum geh�rt habe "Auch deine Feinde haben Freunde". Wie wahr, wie wahr!

Was ebenfalls diskutiert wurde, war die Sinngebung zu einem Satz, der in etwa lautete "Ich lehne nicht ab was ist". Es gab noch ein paar Erkl�rungen dazu und die Menschen diskutierten welchen Sinn dieser Satz hatte. Da er f�r mich zu spirituell angehaucht war, konnte ich damit nur wenig anfangen, da ich selbst immer versuche eine gewisse Logik und Nachvollziehbarkeit f�r mich zu finden.

F�r mich hatte der Satz alleine keinen Sinn und das sagte ich auch. Was f�r mich dem Ganzen erst einen Sinn gab, war die Interpretation des Satzes und das, was wir dahinter vermuteten. Dies war zum Beispiel sich auch unangenehmen Gef�hlen zu widmen, seine Probleme nicht wegzuschieben, sondern lernen sich selbst zuzuh�ren. Das war f�r mich einen Sinn gebend - allerdings nicht der Satz alleine. So sehe ich es auch bei vielen anderen Ereignissen in unserem Leben, egal ob wir diese als angenehm oder unangenehm empfinden. Meistens sind die Dinge einfach nur und durch das, was wir dazu denken, werden sie gut oder schlecht. Auf diese Art scheinen wir uns, zumindest zum Teil, das zu holen, was wir brauchen ... sei es nun ein Problem, oder eine L�sung aus einem spirituell klingenden Satz, der im Wortlaut nur wenig Aussagekraft besitzt. Aber dies nur als kleiner Einschub.

W�hrend die anderen noch versuchten ihre Erlebnisse des Seminars in nur drei S�tzen zu verpacken, machte ich mir weiter dar�ber Gedanken, wie ich es denn formulieren sollte. Ich hatte f�r mich eine Menge n�tzliche Sachen gelernt und Revue passieren lassen k�nnen. Die meisten Erkenntnisse waren vermutlich nur ein Startschuss, w�hrend die richtige "Arbeit" auch jetzt noch andauert, was aber vollkommen ok ist.

Da ich nicht in der Lage war alles in nur drei S�tzen wiederzugeben, und auch ein wenig cool wirken wollte, belie� ich es bei einem "Es war sch�n mit euch.", was ich auch absolut so empfand.

Alsbald wurde der Raum aufger�umt und die Verabschiedung begann, mit einigen Umarmungen hier und da. Die meisten Teilnehmer werde ich wohl nicht wieder sehen, aber es waren wirklich ein paar sch�ne Tage mit ihnen, in denen selbst ohne Sprechen eine tiefe Verbindung entstanden ist.

Von dem Kursleiter wurde ich gebeten ihm eine R�ckmeldung bez�glich der Verpflegung zu schicken. Tats�chlich ist aus diesem Umstand sogar eine Idee gewachsen, welche aber leider aus zeitlichen Gr�nden noch nicht umgesetzt wurde. Allerdings habe ich mir vorgenommen unter dem Titel "Hilfe! Veganer zu Besuch!" einen kleinen Guide zu schreiben, wie man Veganer m�glichst einfach verpflegen kann. Hierbei m�chte ich auch verschiedene Preisklassen ber�cksichtigen, da vegan zwar gerne finanziell ausgeschlachtet wird, was aber f�r Gastgeber absolut nicht notwendig ist.

Einige Teilnehmer gingen noch zum Mittagessen, andere verlie�en das Gel�nde und fuhren nach Hause. Da beim Essen die Auswahl aus Eieromelett oder Fisch bestand, geh�rte ich zu der letzteren Gruppe, packte meine Sachen und machte mich ebenfalls auf den Heimweg.

W�hrend der Fahrt war ich auf der einen Seite zwar entspannt, auf der anderen aber auch sehr ungeduldig, was sich deutlich auf meinen Fahrstil auswirkte. Ich freute mich darauf wieder in meinem Bett schlafen und mich selbst um das Essen k�mmern zu k�nnen. Zwischendurch hielt ich auf einem Rastplatz an, um ein paar Raupen von den Scheibenwischern zu entfernen. W�hrend des Seminars stand mein Auto unter einem Baum und ein paar der Gesellen sind mit den Bl�ten anscheinend auf das Auto gefallen. Als ich auf dem Rastplatz stand und gerade wieder ausparken wollte, parkte ein anderes Auto direkt hinter meinem und versperrte mir so den Weg. Hinter dem Steuer sa� ein Mann in Gesch�ftskleidung, Hemd und Krawatte, und spielte mit seinem Handy. Erstaunlich wie die Technik einen vom Wesentlichen ablenken kann. Ich klopfte an die Scheibe seines Wagens und fragte ob wir tauschen sollen, da ich ja eh wieder fahren wollte, aber ich glaube das bekam er gar nicht richtig mit. Er sagte zwar nichts, aber seine Geste wirkte auf mich wie ein "Ja ja, bin gleich weg.". Irgendwie tat er mir zu dem Zeitpunkt ein wenig leid und mir wurde bewusst, wie gehetzt man in der Regel doch ist.

Um einen Stau zu umfahren, f�hrte mich das Navi �ber viele kleine Wege, von denen manche eher als Serpentine, denn als Stra�e durchgehen w�rden. Daf�r waren sie zu schmal und nur f�r ein Auto gleichzeitig ausgelegt. Dank einer ruhigen Woche, hatte dies aber eher etwas spannendes, anstatt nervenaufreibendes. Zumindest sagte es mir mehr zu als stehend auf einer vierspurigen Autobahn zu festzusitzen.

Zuhause angekommen holte ich mein Smartphone heraus und legte es kurze Zeit sp�ter genervt zur Seite, da mein E-Mail Postfach schon auf den ersten Blick �berquellte. Genau in diesem Moment wurde mir bewusst, was f�r ein Energier�uber dieses Ger�t sein kann, wenn man es denn zul�sst.

Nachdem ich die wesentlichen Sachen ausgepackt und erledigt hatte, setzte ich mich vor den Fernseher und bemerkte dort den gleichen Effekt. Es entzog mir die Energie und hinterlie� eine bestimmte abstumpfende Tr�gheit. Dies war mein Energier�uber Nummer Zwei.

Inzwischen sind vier Wochen vergangen und Energier�uber Nummer Drei, die liebe Arbeit, hat inzwischen auch wieder ihren Einzug in den Alltag gefunden. Smartphone und Fernsehen konsumiere ich wieder wie vor dem Kurs, allerdings etwas bewusster - aber das behaupten ja alle S�chtigen, dass sie keine Probleme damit haben.

Ansonsten geht die mentale Arbeit weiter und es ist nicht alles verloren, was ich aus dem Kurs mitgenommen habe. Ich versuche immer wieder Achtsamkeit im Alltag zu integrieren. Mich so abzugrenzen, dass es mir gut tut und auch einfach mal beim Gehen die Konzentration auf den Atem lenke. Es ist f�r mich ok, dass ich zum Teil wieder im alten Trott gelandet bin! Die meisten Dinge geschehen nicht von heute auf morgen, sondern sind ein stetiger Prozess - so ist es auch bei mir der Fall. Wichtig ist es f�r mich am Ball zu bleiben und es nicht aus den Augen zu verlieren.

Es lohnt sich ein Schweigeseminar zu besuchen, f�r jeden! Denn wie oft nimmt man sich im Alltag, mit all seinen Ablenkungen, denn schon mal die Zeit sich mit dem zu besch�ftigen, was einem auf dem Herzen liegt? Fernsehen und Smartphone sind in meinen Augen lediglich eine Ablenkung vom Wesentlichen, genauso wie Smalltalk und alle anderen Konventionen, die man halt "so macht". Man gew�hnt sich einfach zu schnell an diese Tr�gheit und je l�nger man dabei ist, desto schwieriger wird es wieder Ver�nderung ins Leben zu bringen.

Ende

 

Previous Post Next Post