Was ist schon "normal"?

Was ist schon "normal"?

Auf die Idee zu diesem Beitrag bin ich �ber einen Kommentar unter einem YouTube-Video gekommen. In diesem Video sagte ich aus, dass ich Probleme habe mich in einer Beziehung fallen zu lassen und Menschen tief zu vertrauen und immer Restbedenken vorhanden sind, dass ich mich um mich selbst k�mmern muss und mich nicht unbedingt auf andere verlassen kann oder m�chte.

Eine der Zuschauerinnen schrieb daraufhin �"Vertrauen ist das Urthema der sog. Schizoiden Struktur".

Als Sch�ler, zum Heilpraktiker f�r Psychotherapie, ist das Thema der Diagnostik sehr interessant f�r mich und ich warf einen Blick in die ICD-10, in welcher Merkmale f�r eine schizoide Pers�nlichkeitsst�rung stehen - neben der pragmatischen Frage, ob es mit so einer Diagnose Sonderurlaub geben k�nnte.

Beim Durchlesen einiger Informationen stie� ich auf Punkte, die ebenso f�r gesunde Menschen gelten k�nnten. Zum Beispiel "fast immer Bevorzugung von Aktivit�ten, die alleine durchzuf�hren sind".

Introvertiertheit an sich ist noch kein Kriterium f�r eine psychische St�rung.

Liest man sich bei diversen psychischen St�rungen die Symptome durch, findet man immer wieder Punkte, die auch bei normalen Menschen zutreffend sind. Anhand dessen kann man schnell erkennen, dass mehr als ein Merkmal notwendig ist, um als psychisch krank eingestuft zu werden. So z�hlt zum Beispiel oft die Dauer eines Symptoms eine Rolle, wie man selbst damit umgeht und ob es f�r einen selbst, beziehungsweise das Umfeld, eine Belastung oder Gef�hrdung sein k�nnte.

Da wir alle irgendwann und irgendwie Anteile einer psychischen St�rung in uns tragen und sogar ausleben, w�rde ich auch gerne von dem Begriff "normal" abr�cken. Zudem ist das, was gesellschaftlich als normal bezeichnet wird, kein Kennzeichen f�r einen gesunden, sondern f�r einen �blichen, dominierenden, am meisten vorkommenden Zustand.

Was auch noch beachtet werden sollte ist eine Individualit�t des Erlebten und wie man damit umgehen kann. Jeder lebt ein eigenes Leben, verf�gt �ber individuelle Strategien und ist unterschiedlich belastbar. All dies sollte bei der Beurteilung von sich selbst und anderen ber�cksichtigt werden.

Irgendwo scheint jeder Mensch die Tendenz einer psychischen St�rung in sich zu tragen, welche aber nicht zwangsweise zu einer Belastung wird. So kann man es durchaus genie�en die Zeit nur mit sich alleine zu verbringen, ohne bef�rchten zu m�ssen psychisch krank zu sein.

In diesem Sinne ist es f�r mich nicht erstrebenswert ein Leben zu leben was "normal" ist, sondern ein Leben zu leben, was den eigenen W�nschen, Bed�rfnissen und Anforderungen gerecht werden kann. Eine liebevoll gef�hrte Orientierung nach Innen, ohne das Au�en komplett auszuschlie�en.

Quellen

Symptome und Diagnose der schizoiden Pers�nlichkeitsst�rung nach ICD 10

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