Verantwortung f�r Emotionen

Die meisten Dinge kann man auf intellektueller Basis nachvollziehen. Damit das Gelernte wirklich verstanden wird, muss es aber erst aus dem Kopf ins Herz rutschen.

Verantwortung f�r Emotionen kann man �bernehmen, aber auch abgeben. Manchmal muss man beides lernen, damit einem ein gewisser Druck von der Seele genommen wird.

Verantwortung f�r seine Emotionen zu �bernehmen, er�ffnet M�glichkeiten, da man sich bewusst machen kann, dass man immer eine Wahl hat. Allerdings tut es auch gut sich nicht mehr f�r die emotionalen Belange anderer verantwortlich zu f�hlen, da diese genau so f�r ihre Emotionen verantwortlich sind, wie man selbst f�r die eigenen.

Um dieses Konzept zu begreifen habe ich sehr lange gebraucht, da ich erst f�hlen musste was damit gemeint ist. Dabei half mir ein ganz bestimmtes Erlebnis ...

Wenn ich in meiner Vergangenheit Ablehnung erfahren habe, habe ich mich immer minderwertig und schuldig gef�hlt. Mein innerer Kritiker erinnerte mich "Ich bin nicht gut genug", "Du hast alles falsch gemacht", "Du bist so wertlos". Ab und zu hat aber jeder mal gute Laune und genau an solch einem Tag, wollte ich etwas von dieser Freude weitergeben.

Beim B�cker, das wusste ich, liefen die Damen passend zu einem Fu�ballevent, mit dem Trikot� der deutschen Nationalmannschaft herum. So nahm ich mir vor der Bedienung zu sagen "In dem Trikot sehen sie klasse aus!". Welche Bedienung vor mir stehen w�rde, war mir dabei egal.

Es begr��te mich eine der j�ngeren Damen und ich setzte mein Vorhaben in die Tat um - woraufhin sie ein Lachen � la "Boah ist das eine schlechte Anmache" ausstie�. Etwas verdutzt� bestellte bei ihr zwei Br�tchen, bezahlte diese und ging wieder meines Weges.

Erst als ich das Gesch�ft verlassen hatte kam mir ein Gedanke! Welche Erfahrungen sie bisher gesammelt hat kann ich nicht beurteilen, aber letztendlich war sie es selbst, die aus einem nett gemeinten Kommentar eine schlechte Anmache gemacht hatte.

So ist es eigentlich mit allen Emotionen. Betrachtet man die ABC-Theorie nach Albert Ellis, so kommt man in eine Situation, bewertet diese und je nach Bewertung, entstehen bestimmte Emotionen. Auf die Bewertung von anderen hat man nur indirekten Einfluss.

Ist jemand sauer, ist er oder sie das in Regel deshalb, weil seine oder ihre Erwartungen nicht erf�llt werden. Doch wessen Erwartungen werden wie gewichtet? Warum entscheidet man sich die Belange anderer h�her zu werten? Aus Angst, der Scheu vor Konflikten, Bequemlichkeit, weil man es nicht besser wei�?

Ob man seine Bed�rfnisse zur�ckstellt oder die Erf�llung dieser f�r sich in Anspruch nimmt, muss von Situation zu Situation jeder f�r sich selbst entscheiden. Dennoch sollte man sich immer vor Augen f�hren, dass man eine Wahl hat in welche Richtung man geht.

Bekommt jemand seinen Willen nicht und versucht bei seinem Gegen�ber Schuldgef�hle zu verursachen, so m�chte er mit hoher Wahrscheinlichkeit die Verantwortung f�r seine schlechten Gef�hle abw�lzen.

Vielleicht hast du ja selbst schon mal den ein oder anderen Satz geh�rt:

  • M�chtest du dass deine Mama traurig ist?"
  • Das geht ja gar nicht!
  • Ich bin wegen dir sauer! Auch solche Spr�che wie "Musst du denn immer Streit anfangen" ist ein Abw�lzen von Verantwortung ... zu jemanden der provoziert, geh�rt oft auch jemand der sich provozieren l�sst.

Alles im Leben basiert auf einer Form von Ursache und Wirkung, die man nicht immer so leicht absch�tzen kann.�Wenn man sich selbst in bestimmten Punkten mehr Wert gibt, bedeutet dies Selbstwert haben. Allerdings wirkt diese "Erkenntnis" eher im Innen, als im Au�en.

Damit kommen wir zu einer Sache die man nicht vergessen sollte: Besonders bei Streitigkeiten mit seinem Vorgesetzten wird man vermutlich selbst dann den K�rzeren ziehen, wenn man im Recht liegen sollte. Man sollte sich immer Gedanken dar�ber machen, was einem im Moment gerade wichtiger ist. Selbst wenn man auf emotionaler Ebene nicht mehr so belastet sein sollte, kann trotzdem der Job in die Waagschale geworfen werden. Ebenso kann es passieren, dass ein Partner oder eine Partnerin sich trennt, wenn er oder sie ihren Willen nicht bekommen. Allerdings darf man sich in solchen F�llen auch fragen, ob man mit Menschen in Beziehung stehen m�chte - egal ob privat oder im Berufsleben - die konsequent darauf bestehen ihren eigenen Willen durchzusetzen und nicht zu Kompromissen bereit sind.

Die meisten M�tter d�rften sich hingegen kaum vorstellen k�nnen, dass das Wohl ihres Kindes weniger wert sein k�nnte als ihr eigenes. Wobei es bestimmt auch dort Ausnahmen gibt.

Verantwortung f�r die eigenen Emotionen zu �bernehmen hei�t also auch nicht mehr die Verantwortung f�r die Emotionen anderer zu �bernehmen. Es geht in die Richtung eigene Bed�rfnisse anzuerkennen und ihnen einen gesunden Raum zu geben - hin zu mehr Selbstwert, Selbstachtung und ein St�ckchen mehr Freiheit.

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