Rüdiger Dahlke versucht in seinem Buch das Thema Ernährung in einer ganzheitlichen Sicht zu betrachten. So wird nicht nur auf gesundheitliche, sondern auch auf moralische und energetische Aspekte eingegangen.

Eine kurze Übersicht

Teil 1 des Buches bezieht sich auf physische Beschwerden und Krankheiten des menschlichen Körpers und erklärt, unter Bezugnahme diverser Studien, wie zum Beispiel der Ursprung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Fettsucht und Osteoporose, in einer nicht-pflanzlichen Ernährung liegt.

Teil 2 wirft einen Blick auf Massentierhaltung, sowie den modernen Fischfang und dem damit verbundenen Leid der Tiere.

Teil 3 des Buches geht eher indirekt auf Ernährung ein, indem das Hauptaugenmerk auf Nährstoffen wie Vitaminen und Mineralien gelegt wird. Die Auswirkungen von Stress auf den Körper erklärt werden und was man allgemein machen kann, um sich im Alltag fitter zu fühlen.

Teil 4 bietet einige vegane Rezepte zum Nachkochen.

Im Anhang befindet sich - neben dem, was man in einem Anhang erwartet - ein kurzer Abschnitt zu Lebensmitteln die Serotonin fördern sollen. In diesem Fall erzählt Dalke von "getrockneten Säften" die zu Pulvern verarbeitet werden und so leicht Getränken, wie Smoothies, als wahre Energiebomben wieder zugefügt werden können.

Meine Meinung zu diesem Buch

Den Schreibstil empfand ich sehr ansprechend und die Informationen verständlich und nachvollziehbar.

Was mir besonders gut gefällt ist, wie umfangreich die Themen aufgegriffen werden und mir persönlich so überhaupt erst bewusst wurde, welche Bereiche unseres Lebens Einfluss auf unsere Ernährung haben und finden.

In Teil 1 des Buches schreibt Dahlke "Was wir Tieren antun, tun wir uns an". Damit ist gemeint, dass wir den Stress und das Leid, dass wir den Tieren durch Massentierhaltung zufügen, durch den Konsum von tierischen Produkten, egal ob Milch oder Fleisch, wieder in uns aufnehmen. Obwohl einige Menschen nun sagen würden "welch ein Humbug", finde ich diesen Punkt durchaus logisch. Auch der Mensch schüttet in Stresssituationen viele Botenstoffe und Hormone aus, die den Körper nicht direkt wieder verlassen. Wie sieht es denn dann aus, wenn wir ähnliche Botenstoffe über die Nahrung wieder unserem Blutkreislauf zuführen? Letztendlich ist unser Körper, trotz unserer hochgelobten Intelligenz, auch nur ein Apparat, der unter anderem auf chemische Verbindungen reagiert.

Teil 2 geht sehr ausführlich auf Massentierhaltung und die damit verbundenen Auswirkungen ein, denen ich gefühlsmäßig einfach nur zustimmen kann und möchte. So entwickeln wir eine Respektlosigkeit gegen über dem Leben, betrachten Tiere als Ware und verstumpfen selbst, da wir ein schlechtes Gewissen ignorieren und somit unsere eigene Persönlichkeit unterdrücken.

Welche Punkte mir besonders im Gedächtnis geblieben sind:

  • Fischfang wird heutzutage mit GPS und Sonar betrieben, um effizienter große Fischschwärme finden zu können. Ähnlich dem Aufspüren feindlicher U-Boote im Krieg.
  • Werden Treibnetze genutzt, werden bedrohte Fischarten mit eingefangen und schwer verletzt wieder zurück in die See geworfen, wo sie letztendlich trotzdem sterben.
  • Die Anzahl der Fische ist oft so groß, dass viele der Tiere bereits beim Herausziehen des Netzes aus dem Wasser, durch die Masse weiterer Fische bereits erdrückt werden.
  • Auch bei Zuchtfischen sieht es insgesamt nicht besser aus. Krankheiten können sich wegen zu geringem Platz schnell verbreiten und gut 30% der Tiere sterben vor Erreichen des Erwachsenenalters.
  • Hühner werden ebenfalls auf viel zu engem Raum gehalten. Der Platzmangel führt zu Streitereien. Um Verletzungen zu vermeiden, wird ihnen deswegen mit einem heißen Blech der Schnabel abgeschnitten. Der Schnabel stellt das Tastorgan dieser Tiere dar und was würden wir machen, wenn man uns die Hände abhackt? Einfach so?
  • Männliche Küken werden direkt nach dem Schlüpfen aussortiert und geschreddert, da sie nicht das gewünschte "Produkt" liefern. Die restlichen Küken werden im Karton an entsprechende Abnehmer verschickt.
  • Hühner sind zum Teil so überzüchtet und gemästet, dass sie sich nicht mehr richtig bewegen können.
  • Ein aus kommerziellen Gründen verursachter Zeitdruck ermöglicht keine sichere Tötung von Tieren. Dies führt dazu, dass Tiere oft noch leben während sie aufgeschnitten werden. Da inzwischen auch die Schlachtung teilautomatisiert ist, wird ihnen zusätzlich bei lebendigen Leibe, die Haut vom Fleisch gezogen.
  • Hühner werden zur Betäubung durch ein unter Strom gesetztes Wasserbad gezogen. Die Tötung soll dann durch automatisiertes Köpfen erfolgen. Überleben die Tiere bis dahin die Prozedur und durchschlüpfen die Kontrollen, werden sie abschließend durch kochendes Wasser gezogen.
  • Junge Schweine werden nicht immer zu Tode gekeult, da es preiswerter und schneller ist, sie mit dem Kopf gegen eine Wand zu schlagen und Ihnen das Genick zu brechen. In dem Buch wird von Tieren berichtet, die diesen Vorgang überleben und sich mit heraushängenden Augen und/oder gebrochenen Gliedmaßen durch die Räume schleppen.
  • Schweine verfallen in Depressionen und der wenige Platz den man Ihnen bietet, führt in dieser Kombination teilweise zu Kannibalismus.
  • Damit sich in den engen Gehegen Krankheitserreger nicht auf alle Tiere ausbreiten können, wird unverhältnismäßig viel Antibiotika verabreicht, was zur Resistenz von eben diesen Krankheitserregern beiträgt. Hinzu kommt, dass durch eine nicht artgerechte Fütterung, die Mutation von Bakterien begünstigt wird.
  • Menschen die in den Schlachtbetrieben arbeiten müssen stumpfen ab und fangen an die Tiere zusätzlich zu quälen, um ihren eigenen seelischen Schmerz zu kompensieren. Es wird von Geschichten berichtet, wo Schweinen Elektrostäbe direkt ins Auge gesteckt und stecken gelassen werden. Viele Menschen sind allerdings nicht in der Lage, über einen längeren Zeitraum, in einem Schlachtbetrieb zu arbeiten.
  • Obwohl von wissenschaftlicher Seite deutlich eine pflanzliche Ernährung empfohlen wird, ist die Lobbyarbeit anscheinend so ausgeprägt, dass Subventionen fast umgekehrt zu den Empfehlungen getätigt werden. (Bezug auf das Schweizer System, S. 202ff).
  • Empfohlene Tageszufuhr von Früchten und Gemüse 43,5%, Förderung mit 1,9% der Gesamtsubventionen. Empfohlene Tageszufuhr von Fleisch, Eiern, Milch und Soja 23,2%. Der Anteil an der Gesamtförderung liegt hingegen bei 80,6%. Dass ich jetzt so viel zu diesem Teil geschrieben habe liegt nicht daran, dass es etwa einen Großteil des Buches ausmachen würde, sondern daran, dass es mich emotional sehr mitgenommen. Oftmals habe ich mich dafür geschämt ein Mensch zu sein und mir standen, im wahrsten Sinne des Wortes, auch Tränen in den Augen.

Teil 3 des Buches wirkte auf mich wie ein abrupter Übergang, was aber wohl positiv zu sehen ist, um von den vorherigen Horrorgeschichten wieder ein wenig runter zu kommen.

Es wird auf Nährstoffe eingegangen, wie gesund Sonne und Mittagsschlaf sein können, wie diese Nährstoffe auf unseren Körper und unser Wohlbefinden Einfluss nehmen, welche "Probleme" bei einer Ernährungsumstellung auftreten können und warum man auch auf natürliche, pflanzliche Lebensmittel (Stichwort: Bio) zurückgreifen sollte.

Obwohl interessant zu lesen, wirkte dieser Abschnitt auf mich etwas wie "hineingequetscht", um die letzten, wichtigen Punkte einer ganzheitlichen Betrachtung unterbringen zu können.

Zu den Rezepten kann ich nicht viel sagen, da sie aktuell nicht zu meinem persönlichen Fokus gehören. Sie sind vom Text her kurz gehalten, somit wohl eher leicht nachzukochen, und wirken auf den Fotos zumindest sehr ansprechend.

Im Text wird zwischendurch auf ein "take me"-Getränk hingewiesen, was durch bestimmte Pulvermischungen konzentrierte Nährstoffe zur Verfügung stellt. Die Erklärung dazu befindet sich im Anhang des Buches, hätte meiner Meinung nach aber durchaus früher erfolgen können. Weiterhin widerspricht es ein wenig einer anderen Aussage Dahlkes, dass bei der Nahrungsaufnahme Kauen sehr wichtig sei, was bei Getränken (Smoothies) ja eigentlich ausbleibt. Vielleicht habe ich in dieser Hinsicht aber auch etwas falsch verstanden.

Ein wirklich kurzes Fazit

Obwohl mir die Erzählungen zur Massentierhaltung sehr an die Nieren gingen, kann ich für das Buch eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Anfangs war ich skeptisch, ob die schonungslose Art in der die Themen behandelt werden nicht den ein oder anderen Einsteiger abschrecken könnten, aber vielleicht ist diese Art auch notwendig um den Sprung erst zu schaffen. Auf jeden Fall bestärkt es mich umfassend darin, meine Ernährung weiterhin auf eine komplett pflanzliche Produktpalette umzustellen und deswegen absolut nichts bereuen zu müssen.

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