Christian Pörtzel betreibt auf YouTube unter dem Namen „Raw Spirit“ einen eigenen Kanal mit täglichen Videos. Im Rahmen seiner Ernährungsumstellung probierte er aus, ob man mit dem Geld, was für Hartz IV einkalkuliert wird, eine gesunde und vegane Ernährung beibehalten werden kann. Die Videos dazu lassen sich auf YouTube unter der Playlist 30 Tage Hartz IV Vegan Challenge ansehen.

In seinem eBook beschreibt Christian Pörtzel sein Experiment, ob man sich mit wenig Geld gesund und vegan ernähren kann, und die damit verbundenen Erfahrungen. Das hier rezensierte eBook bezog ich über die Homepage des Autors und nicht über Amazon.

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus fünf Teilen und beginnt mit einem Vorwort zur Challenge, wobei auf ein Inhaltsverzeichnis verzichtet wurde.

Teil 1 des Buches befasst sich mit den Grundlagen. Dazu gehören die Motivation zum Projekt, die Startbedingungen in Bezug auf das Trinken, das Einbeziehen von Superfoods, Sparmöglichkeiten wie Sonderangeboten, Nährstoffe und der Einsatz von Küchengeräten mit der Aufzählung verschiedener Mixer in unterschiedlichen Preisklassen.

Teil 2 bildeten den Kern des Buches in Form eines „Tagebuch“. Hier werden sämtliche Mahlzeiten von Tag 1 bis 30 aufgeschlüsselt dargestellt. Die Angaben erfolgen auf das Gramm genau mit den damit umgerechneten Preisen. Zu den meisten Mahlzeiten werden auch die Rezepte in einer kurzen Form hinzugefügt.

In Teil 3, „Daten“, wird das Resumé in Zahlen getroffen. Hierzu gehört nicht nur eine gesammelte, tabellarische Auflistung aller Nährstoffe über alle Tage, sondern ebenso die Durschnittswerte über die Gesamtdauer der Challenge. Nicht zu vergessen ist hier die Summe in Euro, die sich aus allen Mahlzeiten ergab.

Teil 4 bezieht sich auf eine „Nachbetrachtung“. Hierzu gehören Ergänzungen in Bezug auf das Trinkwasser, ein Vergleich von Chia- und Leinsamen, die Hervorhebung von Sonderangeboten vermeintlich schlechter Nahrungsmittel (Bananen mit braunen Punkten), Hinweis auf regionale Unterschiede bei Preisen, sowie weitere Methoden mit denen man bei der Nahrungsbeschaffung Geld sparen kann (Foodsharing & Containern).

Der fünfte und letzte Teil „Nährstofflieferanten“ stellt noch kurz wichtige Nahrungsmittel für die unterschiedlichen Vitamine dar, sowie einen extra Spar-Tipp zum Thema Natron.

Meine Meinung

Das Buch ist klar strukturiert und der Schreibstil sehr gut zu lesen. Die Informationen werden sehr kompakt, aber dennoch sehr umfangreich dargestellt. So sind meiner Meinung nach sämtliche, wichtige Aspekte, von der Wahl des Wassers, bis hin zur Supplementierung (B12, D3) aufgegriffen worden, ohne zu tief ins Detail zu gehen.

Was mir sehr gut gefallen hat waren die Rezepte, die zu den einzelnen Mahlzeiten aufgeführt werden. Hierzu fehlen zwar die Bilder, was aber nur ein unnötiger Bonus wäre, da es sich hauptsächlich um den informellen Charakter und die Realisierbarkeit veganer Ernährung, mit einem Hartz IV Regelsatz als Auskommen, handelt. Diesen Sinn und Zweck sehe ich voll und ganz erfüllt. So wird nicht nur klar, dass eine vegane Ernährung mit wenig Geld möglich ist, sondern auch noch eine überwiegend vollwertige Ernährung, bei der die wichtigsten Nährstoffe (nach DGE) abgedeckt sind.

Einige der Angebote erschienen mir wirklich sehr günstig, zum Beispiel Bananen und Kartoffeln, wo ich dann auch gerne gewusst hätte, woher die Einkäufe stammten. Meine Quellen scheinen in der Hinsicht etwas teurer zu sein. Hierzu erfolgen dann in der Nachbetrachtung einige Hinweise für „normales“ Einsparpotential, durch das Nutzen von Angeboten bei Discountern.

Weiterhin hat mir gut gefallen, dass der Autor den Leser an einem Wachstumsprozess teilhaben lässt und solche Entdeckungen, wie das Herstellen von „Eischnee“ aus Kichererbsenwasser, teilt. Ebenso ging er auf Anregungen seiner Zuschauer ein, Lebensmittel die er aus dem eigenen Garten bezieht, nicht mehr mit in die Challenge einzubeziehen beziehungsweise gegenzurechnen, da nicht jeder einen Garten zur Verfügung hat.

Die Ernährung aus dem Garten hat für mich auch ein wenig das Ergebnis verfälscht, wobei mir lediglich an zwei Stellen aufgefallen ist, dass kostenlose Positionen in Frühstück oder Mittagessen enthalten waren. All zu groß dürfte das Kostenplus zwar nicht sein, allerdings frage ich mich dann wie groß der Unterschied zum Satt-Werden ist, wenn man das kostenlose Grün einfach weg lassen würde.

Dass ein grüner Smoothie fester Bestandteil einer veganen Ernährung ist, halte ich für ein Gerücht, obwohl es anscheinend doch viele Menschen gibt, die darauf zu schwören scheinen. Ich selbst bin kein Fan von grünen Smoothies und werde sie wohl nicht so bald zu einem festen Bestandteil meiner Ernährung machen. Positiv rechne ich hier an, dass der Autor vereinzelt versucht auch ohne Smoothie zum Frühstück auszukommen, wobei diese Versuche nur einen geringen Teil des Tagebuchs ausmachen.

Auch wenn im letzten Teil des Buches wichtige Lebensmittel und die enthaltenen Nahrungsmittel aufgeführt werden, hätte ich es an der ein oder anderen Stelle im Tagebuch schön gefunden, wenn dieses dort erwähnt worden wären. An einigen Tagen sollte gezielt ein Nährstoffdefizit vom Vortag ausgeglichen werden, wobei leider nicht ersichtlich dargestellt wurde, durch welche Lebensmittel genau, auch wenn die einzelnen Lebensmittel alle einzeln aufgelistet wurden. Diese Auflösung erfolgt erst am Ende des Buches, was zwar super ist, aber den Leser hätte auch früher präsentiert werden können, um diesen besser auf der „Nährstoff-Reise“ mitzunehmen.

Für Umsteiger von Fleisch- auf Pflanzenernährung halte ich das Buch nur bedingt für geeignet, da die meisten Menschen, meiner Meinung nach, am Anfang eher zu Ersatzprodukten tendieren, die hier – positiv gesehen – so gut wie gar nicht vorkommen.

Einen allgemein gültigen Charakter wird das Buch nicht besitzen, aber es zeigt sehr ausführlich und praxisnah, dass auch bei geringen Budget eine nahezu vollwertige, vegane Ernährung möglich ist und bietet viele Anregungen für unterschiedlichste Einsparpotentiale.

Insgesamt ist es ein schön geschriebenes Werk mit vielen „Aha“ und „Nice to know“-Momenten, für das ein Preis von 9,00 € durchaus OK ist!

Weitere Informationen

Titel: Vegane Welt mit wenig Geld Autor: Christian Pörtzel Herausgeber: Christian Pörtzel alias „Raw Spirit“ auf Youtube (5. Juli 2016) ISBN: – Preis: 8,97 € bei Amazon – 9,00 € bei Digistore24 Homepage: Bei Amazon als Kindle eBook, Buch von der Homepage Sonstige Informationen: 105 Seiten

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