Dieses Buch wurde mir kostenlos als Rezensionsexemplar vom Knaur Verlag zur Verfügung gestellt

Mit dem Buch Switch Off präsentiert Monika Schmiderer ein Programm, seine Zeit außerhalb des digitalen Lebens sinnvoll zu gestalten.

Für dieses Buch habe ich bisher am längsten für eine Rezension gebraucht und war wirklich zwiegespalten, was Inhalt und Argumentation angeht. Grundsätzlich finde ich den Gedanken gut seinen Medienkonsum einzuschränken. Genau in diesem Punkte möchte Monika Schmiderer den Leser an die Hand nehmen, um die dabei entstehende zusätzliche Zeit sinnvoll nutzen zu können. Für 14 Tage soll der, zum Mitmachen aufgeforderte Leser, auf den privaten Medienkonsum verzichten. Dazu gehören Social Media, Online-Shopping, Surfen, sowie Streaming, normales Fernsehen, Zeitung aber auch Kommunikation via WhatsApp oder E-Mail. Dieser Verzicht soll zum Glück nur in der Freizeit stattfinden - auch mein erster Gedanke war "Wie soll ich das denn machen?", war allerdings beruhigt, das Internet beruflich nutzen zu dürfen. Doch auch für den beruflichen Alltag gibt die Autorin einige Empfehlungen, mit denen man seine Zeit effektiver und mit weniger Ablenkungen, gestallten können soll.

Im ersten Teil des Buches werden Argumente und Studien aufgeführt, die einen Verzicht auf digitale Medien bestärken sollen. Auf der einen Seite waren die Informationen zwar interessant, auf der anderen Seite aber auch sehr abstrus, was Kausalität und Korrelation angeht. So wird auf Seite 40 eine australische Langzeitstudie erwähnt, bei der ein signifikanter Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum und Herz-Kreislauf-Erkrankungen festgestellt wurde. Dass ein Zusammenhang besteht kann ich mir gut vorstellen, da den Menschen schließlich die Zeit für zusätzliche Bewegung verloren geht, allerdings halte ich eine Kausalität doch eher für unwahrscheinlich - dieser Eindruck wird jedoch durch das Buch vermittelt.

Andere Hinweise, wie Symptome von zu viel Internet, sollte man hingegen ruhig mal für sich überprüfen. In einem Punkt braucht sich unsere westliche Gesellschaft wohl nichts vormachen: so wie wir Internet & Co nutzen, stressen wir uns in der Regel nur zusätzlich, da man sich keinen Moment mehr mit sich selbst beschäftigen muss oder kann. Die Autorin regt einen achtsamen Umgang mit dem Internet an, was ich für sehr sinnvoll halte!

Was folgt ist ein 14-Tage Programm zum Durchhalten! Wofür? Für mehr Kreativität, mehr Liebe, mehr Lebensfreude und jeden Tag eine andere Aufgabe, der man sich widmen kann, um genau diese Ziele zu erreichen. Hierfür werden, je nach Tag, Seiten für persönliche Notizen und Skizzen, im Buch vorgesehen. Um ehrlich zu sein war ich, als Mann, mit den Ideen teilweise doch überfordert. Trotz einer bunten Mischung an Vorschlägen, waren mir diese zum Teil sehr idealistisch, weiblich ausgerichtet. Männer kommen hier nicht unbedingt zu kurz, aber eine eindeutige Tendenz war für mich erkennbar. Einige Aufgaben kann ich für mich auch unmöglich an einem Tag erledigen, höchstens in Angriff nehmen. Zum Beispiel das Thema Aufräumen! In den 2,5h Stunden, die mir Abends privat zur Verfügung stehen, schaffe ich nicht meine gesamte Wohnung aufzuräumen ... wobei ich da wohl auch ein wenig extremer sein dürfte als der Durchschnittsmensch.

Was mich ebenfalls ein wenig irritierte war eine Definition der Autorin "Die sechs Grundbedürfnisse". Mit den Grundbedürfnissen nach Maslow hatte diese nur wenig zu tun. In der Version der Autorin finden sich die erste und dritte Stufe nach Maslow gar nicht wieder, dafür Sicherheit an Position 1 und Wertschätzung, welche nach Maslow an Stufe 4 ist, direkt an Position 2. An dieser Stelle hätte ich mir mehr Standard gewünscht. Dies wäre vor allem aus psychologischer Sicht wichtig, da sich der Mensch nur seiner persönlichen Entwicklung widmen kann, wenn die darunter liegenden Bedürfnisse erfüllt werden.

Während ich mich mit den ersten 10 Tagen nur wenig identifizieren konnte, wurde am Ende des Buches eine für mich passende Richtung eingeschlagen. Diese war in etwa: Beschäftige dich mit deinem Leben, mache dir über deine Wünsche Gedanken, achte auf eine richtige Work-Life-Balance, versuche das Positive in dir in den Vordergrund zu holen, und und und. In meinen Augen die besten Abschnitte des Buches.

Was mir zu kurz kam, war das "Wie schafft man es damit anzufangen?". Zwar hat die Autorin einige Punkte in dieser Hinsicht aufgegriffen, was für mich persönlich aber nicht ausreichte, um wirklich einen Digital Detox zu starten. Dies sollte man bei meiner Bewertung beachten.

Monika Schmiderer arbeitet in der Medienbranche und das konnte man an einigen Stellen, durch entsprechende "Füllformulierungen", bemerken. Jetzt habe ich viele, negative Dinge aufgezählt, aber so ist das Buch nicht. Es enthält viele interessante Informationen, Vorschläge und Arbeitsmethoden, die man ruhig mal ausprobieren kann. Wer für sich das Buch als Sammelsurium an Ideen betrachten kann, anstatt als Fahrplan zur Rettung, kann damit sehr glücklich werden und einiges daraus lernen. Würde ich es empfehlen? Bedingt! Eher für Frauen, als für Männer. Eher für Menschen die digital ein wenig kürzer treten wollen, aber grundsätzlich noch mit beiden Beinen im Leben stehen und eher für Menschen, denen es auf Emotionen und weniger sachlich korrekte Informationen ankommt*. Ebenso empfehle ich vor dem Kauf des Buches einen Blick in das Inhaltsverzeichnis zu werfen und, sofern möglich, sich eine Leseprobe zu besorgen. Den Preis halte ich für absolut in Ordnung - man merkt wie viel Arbeit die Autorin in ihr Werk hat fließen lassen und trotz einiger Seiten für persönliche Notizen, hat sich doch sehr viel Lesematerial angesammelt.

*Die Abschnitte mit den Studien (Kausalität und Korrelation), sowie die persönliche "Bedürfnispyramide" der Autorin, haben mich doch stark getriggert und sind bis heute im Gedächtnis hängen geblieben.

Weitere Informationen

  • Titel: SWITCH OFF und hol dir Dein Leben zurück, Wie wir der digitalen Stressfalle entkommen
  • Autor: Monika Schmiderer
  • Herausgeber: KNAUR
  • ISBN: 978-3-426-21426-8
  • Preis: 16,99 €
  • Homepage: Monika Schmiderer: Switch off, beim Knaur-Verlag
  • Sonstige Informationen: 304 Seiten